17. August 2014

Mehr Liebesbriefe!

Ein Liebesbrief. So wunderbar! Wann habe ich eigentlich das letzte Mal einen Liebesbrief geschrieben? Und wann habe ich einen bekommen? Da muss ich nachdenken. Das ist schon ein bisschen her. Leider. Ich spreche nicht von email oder SMS. Und schon gar nicht von irgendwelchen Messengern. Ich meine so einen richtigen Brief. Herzblutabteilung. Große Emotion. Selbstgewählte Schwerstarbeit. Eine Schatzkarte und unendlich wertvoll.

Ordentliches Papier, schöner Umschlag und ohne Behördenfenster, durch das 100 Jahre Formularmief nach draussen zu dringen scheinen. So richtig per Post und mit Briefmarke. Kein Standardding: eine Sondermarke darf es sein. 60 Cent und bewusst, persönlich ausgewählt. Von Hand geschrieben. Nicht mit dem Kugelschreiber. Füller? Blau? Vielleicht. Rot lieber nicht. Jedenfalls nicht nach dem 15. Geburtstag. Einen schwarzen Filzer finde ich persönlich besser. Nicht zu dünn. Handschrift, Duktus, einen schönen Strich! Bleistift geht immer.

Ein Liebesbrief also. So richtig. In echt und in ehrlich. Mit ganz viel Gefühl. Jetzt. In diesem Moment. Das was da ist, tief drin. Genau jetzt, richtiges Gefühl, ehrliches Gefühl. Nicht aus der Konserve und nicht abgeschrieben. Ich glaube, ich bin da etwas aus der Übung. Nicht, dass ich nicht gerne schreibe. Ich liebe das: Worte aneinanderreihen, tauschen, schleifen, polieren, einpassen, umdrehen und wieder von vorn. Sätze formen, eine Idee Gestalt werden lassen, eine Seelenlandschaft modellieren.

Bei einem echten Liebesbrief ist es wie mit diesen Lackmustests: eine chemische Untersuchung, bei der man Papierstreifen in Flüssigkeiten taucht, um zu sehen was los ist. Einen guten Liebesbrief taucht man ebenso und tief in sehr private Empfindungen ein. Und er kann eine äußerst feinsinnige Analyse dessen anbieten, wie es wirklich in einem aussieht. Auch hier geht es um pure Chemie. Und wenn er von Herzen ehrlich ist, dann transportiert der Liebesbrief noch so viel mehr als ein paar aneinandergereihte Buchstaben. Er lässt die Gefühle zwischen den Zeilen atmen und erreicht damit die eine Person, die man wirklich liebt und die versteht: die Grammatik, die Vokabeln, den Ton. Eine komplexe Komposition rund um die drei entscheidenden Worte: „ich liebe dich“. Wenn es die richtige ist. Hoffentlich.

Mal ehrlich: wann habt Ihr denn Euren letzten Liebesbrief geschrieben?