30. September 2014 ... "Vona" ist hoffen auf Isländisch 15

„Träumen ist reine Glückseligkeit. Auf die Erfüllung warten ist das wirkliche Leben“ //Victor Marie Hugo

Sieben Tage Ewigkeit. Sieben Tage höchst und sieben Tage tiefst. Yingyang-Blues. „Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt“: Clärchens Lied in Goethes Egmont. Stimmungsschwankungen wie eine Schwangere. Fehlt nur noch, dass ich mir um Mitternacht irgendwelche kulinarischen Bedenklichkeiten in den Hals stecke. Süß und salzig abwechselnd. So wie das Leben. Sieben Tage ist es her. Oder eher sieben Nächte. Als Du plötzlich da warst. In der Bar. Und Du hast Deinen Kopf auf meinen Rücken gelegt. Du hast mich umarmt. Und Du hast gesagt, dass es gut wird. Dass wir uns bald sehen. Und Du hast mich gefragt, ob ich mit dir schlafen möchte. Kopfkino angeknipst. En passant. Einfach so. Den einen Loop, der sich nicht ausblenden lässt. Immer noch nicht. Und dann? Eine Reise durch Raum und Zeit. Pause! Sowas frisst. Ich kann mich kaum konzentrieren. Tägliches leben in einem Hieronymus-Bosch-Gemälde: „die Hölle“. Ok, ich gebe zu, ich neige hier und da zur dezenten Übertreibung. Manchmal. Vielleicht ein bisschen. Aber hey, das ist ein zulässiges Stilmittel. Sagenhaft, was das warten aus einem macht. Doodle um Doodle: Telefonkritzelei. Gezeichnete Sehnsucht. Sorge. Patzigkeit. Wut. Mutlosigkeit. Ärger. Über Dich. Über mich selbst. Und über das unerfüllte wünschen. Unerfüllbar? Mist! Man denkt ja immer, dass man mit den Jahren Hornhaut auflegt. Auf der Seele. Dass man sie in Drachenblut taucht. Man vergisst das Lindenblatt. Obsoleszenz in deutschen Heldensagen. Lächerlich. Gemein. So wie das Pflaster auf dem Knie in der Kindheit? Jeder kann sich erinnern. Jeder weiss, was passierte, wenn es zum Verbandswechsel beherzt abgerissen wurde. Ja, aua! Ganz genau. Und dazu trieft auch noch akustische Melancholie aus den Lautsprechern. Anstrengend. „Dramaqueen“ schimpft mich meine Freundin Agnes. Und recht hat sie. Ich muss ja selbst lachen. Wenn keiner hinschaut. Die Gelassenheit im Umgang mit sich selbst ist ein tolles Konto, auf das die eigenen Jahre und Erfahrungen großzügig einzahlen. Wenn man sie nur lässt. Zum Glück. Gehört eben alles dazu. Und wie schön, dass es Menschen gibt, die einem in entscheidenden Momenten das Händchen halten und wenn es sein muss auch mal die Box mit den Kleenex. Auch wenn echte Kerle das natürlich und eigentlich nicht machen. Ganz klar. Eigentlich. Frechheit. Was für eine Achterbahnfahrt. Und so schlimm das alles manchmal zu sein scheint, so wunderbar ist es, richtiges Leben zu spüren. Wie nadeligen Fisselregen bei unverschämten 2 Grad, den einem der Wind am allerfrühesten Morgen nach stramm durchzechter Nacht frontal ins Gesicht brüllt.

Und dann rufst Du an. Einfach so. Und alles ist wie weggewaschen. Zurück auf Los. Neues Spiel. „Brief?“ „… ja, hast Du ihn nicht gelesen?“ „Was für ein Brief?“ „In Deiner Tasche. Ich habe ihn dir zugesteckt. Letzte Woche. In dem Burlesque-Laden. In Hamburg. Queen Calavera.“ „Oh, nein!“ „Meine Nummer. Ich dachte, warum ruft er mich nicht an? Ich hatte Dir mein Herz darauf gezeichnet. Und wie Du darin lebst. Eine Woche habe ich gewartet … sieben Tage Ewigkeit.“ „Sieben Tage höchst und sieben Tage tiefst.“ „Ja genau. Woher weißt Du?“ „Zum kotzen!“ „Bitte?“ „Ich auch. Yingyang-Blues. Ich habe mich gefragt, warum …“ „Ich bin da. Scheiss auf Stolz. Natürlich bin ich da.“ „Wann?“ „Gleich.“ „Hier?“ „Lass Dich überraschen …“

Der Historiker Michael Richter hat einmal gesagt „Warten verliert sich im Vergessen“. Das ist großer Unsinn, wenn man wirklich liebt. Gut so? Weiß ich nicht. Manchmal. Vielleicht.

„Vona“ ist hoffen auf Isländisch.