3. Oktober 2014 ... "Vona" ist hoffen auf Isländisch 16

„Liebe macht blind." Das ist von Platon und der alte Grieche gilt immerhin als der Begründer der abendländischen Philosophie. Ahnend was er damit meinte, mache ich einen lockeren Ausfallschritt und wende mich den relativierenden Worten der Aphoristikerin und Ärztin Gerlind Nyncke zu: „Liebe macht blind und sehend zugleich." Damit kann ich gerade mehr anfangen. Es oszilliert. Die liebende Wahrnehmung schwingt zwischen blind und sehend. Zwischen Licht und Finsternis. Oszillieren kommt vom lateinischen "oscillare". Wörtlich übersetzt bedeutet das „schaukeln". Und das finde ich so viel schöner als das, was uns der Duden anbietet mit „schwanken“, „schwingen“ oder „wechseln“. Romantischer. Sinnlicher. Die Erinnerung. Es passiert so viel, wenn man schaukelt. Es ist die Bewegung. Der Fahrtwind. Man sieht, man riecht, man fühlt und soviel mehr. Es ist die Summe der Dinge.

Liebe Vona, wenn man versucht, 2 Leben zu synchronisieren, mehr als achtzig Jahre in Summe, passiert eine Menge. Da knarzt es oft ganz gewaltig. Achtzig Jahre, verteilt auf zwei Leben: hier mehr, da weniger. Auf das eine oder andere Jahr kommt es da gar nicht an. Nicht alle Zahnräder wollen sofort ineinandergreifen. Und manche nie. Zwei Leben wie Sprachen, die sich nicht immer wörtlich übersetzen lassen. Vielleicht wie Isländisch und Deutsch. Wer weiß. Aber gut wenn man weiß, dass man grundsätzlich reden will. Und vielleicht auch worüber. Liebe verbindet und versucht sich als „Stein von Rosette 2.0“. Sie will nicht nur wörtlich Hieroglyphen über das Demotische ins Altgriechisch übersetzen, sondern versucht sich daran, zu modellieren, zu versöhnen, ab- und zuzugeben. Aus- und einzublenden. Hier zu stärken und dort ein wenig abzumildern. Das erinnert mich an den fantastischen Babelfisch, den  Douglas Adams in „Per Anhalter durch die Galaxis“ als Metaschnittstelle ersonnen hat. Zwischen  jedem noch so absurden, kosmischen Kauderwelsch und allen kryptischen Dialekten aus den Weiten des Universums. Das kann funktionieren. Man muss es nur wirklich wollen und ganz fest daran glauben. Wie war das? „Liebe macht blind und sehend zugleich“? Laß die Leichen im Keller - achte auf die Signale! Natürlich sind wir keine zwanzig mehr. Wir haben Erfahrungen gesammelt, Verletzungen und einiges auf dem Kerbholz. Sind vorsichtig. Haben seltsame Bilder und Routinen in unseren Köpfen. Wir unterstellen. Und sollten genau das lieber lassen. Wir sind doch angetreten, es besser zu machen, oder? Uns zu tragen. Und zu ertragen. Henry Wheeler Shaw sagte schon vor über 150 Jahren unglaublich treffend „Liebe schaut durch ein Teleskop, die Eifersucht durch das Mikroskop." Ich will es nicht in klein. Ich mag es lieber in groß. Den Stein weit werfen. Ich will nicht, dass das Gift der Vergangenheit in unser Leben eintropft. Und sei es noch so homöopathisch dosiert. Ich wünsche mir eine Aufmerksamkeit, die absichtsvoll ist. Eine Aufmerksamkeit, die sich auf das jetzt bezieht. Auf den Moment. Weder auf die Vergangenheit, noch auf die Zukunft. Eine Aufmerksamkeit, die nicht wertend ist. Das ist Achtsamkeit! Und die Ehrlichkeit. Und die Verlässlichkeit. Ein Einstehen. Kein Verleugnen. Schon gar nicht sich selbst. Vertrauen können, dürfen und wollen. „Liebe schaut durch ein Teleskop“? Aber ja! Magst Du mit mir Sterne schauen? Unsere Sterne? Und schaukeln wäre jetzt auch schön.

Was meinst Du?

„Vona“ ist hoffen auf Isländisch.