18. November 2014 ... "Vona" ist hoffen auf Isländisch 22

„Þú komst við hjartað í mér“

Den hatte ich fast vergessen: ein gefalteter Zettel. Schönes Papier. Sieht aus wie handgeschöpftes Bütten. Mit einem einfachen, groben Faden an eine Sicherheitsnadel geknotet. An meinen handgestrickten Geburtstagssocken befestigt. Ich mag das. Sehr.

Isländisch sieht fremd aus. 32 Buchstaben gibt es da. Es gibt kein C, kein Q und auch kein W. Und ein Z haben sie auch nicht. Das haben sie abgeschafft. In den 70ern. Bis auf die Pi“zz“a, weil die sonst Pi“ss“a heissen würde. Und das bedeutet pinkeln. Nicht sehr appetitlich. Das „Þ“ spricht man aus wie ein hartes, englisches „th“. Wie in „thing“ zum Beispiel. Das „ú“ kommt wie ein deutsches „u“. Das „ð“ erinnert an das stimmhafte, englischen „th“ in „this“. Das „é“ mit dem Akzent wird „jä“ gesprochen. Und es gibt noch eine Menge andere Extras, die wir aber für unsere Botschaft hier nicht unbedingt brauchen. Vielleicht noch, dass die Isländer grundsätzlich auf der ersten Silbe betonen. Die Sprache hat sich  in den vergangenen tausend Jahren kaum verändert. Man kennt auf Island keine Dialekte. Dreihunderttausend Menschen können sich mit ihr verständigen und bewahren mit ihr eine eigene kulturelle Identität. Bis heute versucht man ganz erfolgreich, Fremdworte abzuwehren. Ganz so wie das berühmte gallische Dorf es mit den Römern macht.

Um das reine Isländisch kümmert sich seit 1779 die „Isländische Gesellschaft der gelehrten Künste“ und seit 1964 auch das „Isländische Sprachkomitee“, die zudem auf die Namensgebung der Isländer achten. Ich hatte schon eine Diskussion mit Vona darüber, die eigentlich gar nicht Vona heißt: Lilja Elín Mínervudóttir. Im Café Paris. In Hamburg. Ganz am Anfang.  

Großartig finde ich die neuen Wortkreationen, die immer dann nötig werden, wenn die Sprache mit der Entwicklung standhalten muss. Das macht dann aus einem „Computer“ eine „Zahlenseherin“, aus dem Laptop eine „Schoßzahlenseherin“ oder aus „Software“ eine „Gedankenausrüstung“. Jeder Isländer kann bei dem Komitee Vorschläge einreichen, die dann geprüft werden und manchmal umgesetzt. Ich wünsche Island viel Glück mit diesem ungewöhnlichen, eigenwilligen, sympathischen Weg. Auch wenn ich auf Dauer ein bisschen schwarz sehe.

 Ok, ich versuche aufzulösen, den Satz auf dem Zettel aufzusagen … und scheitere kläglich. Ich habe kein Gefühl für Aussprache und Klang. Aber wie auch. Mir fehlt das Beispiel. Und die Übung. Ich werde es mir vorsprechen lassen. Am liebsten öfter. Immerwieder. Denn der Satz ist der wunderbare Refrain aus einem isländischen Liebeslied und bedeutet: „du hast mein Herz berührt“. Was kann ich tun Vona, dass Du mir das immerwieder sagen magst? Aus ganzem Herzen …

„Vona“ ist hoffen auf Isländisch.