2. November 2015 ... "Vona" ist hoffen auf Isländisch 25

„I still don't know why, exactly, but I do think people can have a spiritual connection to landscape, and I certainly did in Iceland.“  

Das ist ein Zitat der australischen Autorin Hannah Kent. Sie ist Jahrgang 1985 und hat mal als Siebzehnjährige selbst in Island gelebt. In einem Austauschprogramm für Schüler. Es ist ein weiter Sprung von Adelaide nach Reykjavik. Und das nicht nur in Meilen. Auch auf dem Thermometer. Und ganz sicher auch spirituell. Im April 2013 erschien ihr Erstlingswerk „Burial Rites“. Die Geschichte von Agnes Magnúsdóttir. Eine Geschichte aus dem Jahr 1829, die in Island nahezu jedem bekannt ist: Schicksal, Armut, Liebe, Mord und Lüge. Der Hintergrund ist authentisch. Die Magd Agnes hat zwei Männer grausam ermordet und wurde dafür als letzter Mensch auf Island hingerichtet. 1830. Geköpft. Ein finsteres Stück. „Burial Rites“ ist inzwischen in zwanzig Ländern erschienen. Auf Deutsch lautet der Titel „Das Seelenhaus“. Die Auszeichnungen sind zahllos und die Filmrechte hat Gary Ross sich gesichert. Der hat zuletzt „Die Tribute von Panem“ realisiert. Ein Hollywoodschwergewicht. Für die Hauptrolle ist keine Geringere als die Oscarpreisträgerin Jennifer Lawrence vorgesehen. Das gibt Hannah Kent die wundervolle Freiheit, sichkünftig ausschließlich dem Schreiben widmen zu können. Und hoffentlich weiterhin ihre eigene Literaturzeitschrift zu publizieren: 'Kill Your Darlings‘.

Warum ich das erzähle? Nun, „Burial Rites“ steckt in meinem Handgepäck. Als „Seelenhaus“. Also in der Übersetzung ins Deutsche von Leonie Reppert-Bismarck. Das macht es mir leichter, ein- und durchzusteigen.  Und daneben „The Travels of Reverend Ólafur Egilsson“. Auch das ist eine große, isländische Geschichte. Die hatte ich mir in Island bestellen müssen, weil sie ansonsten weltweit vergriffen ist. Ich habe sie schon ein paarmal gelesen und schaue doch immer wieder hinein. Bearbeitet und zeitgemäß übersetzt von Karl Smári Hreinsson and Adam Nichols. Gepresst in ein schlankes Paperback, wo sie doch so viel mehr Raum verdient hätte. In Worten und Gedanken. Stoff für das große Drama. Vielleicht habe ich ja eines Tages die Chance dazu. Die Muße und die Fähigkeiten. Ich taste mich ran. Schritt für Schritt.

Bing. Destination KEF. Icelandair nach Reykjavik Keflavik International Airport. Das war 2014 the „Best Airport in Europe“. Sagen sie. Ich bin gespannt. Bin aufgeregt. Spiele an meinem Smartphone, scrolle durch meine Musiklisten, durch die Bilder, Nachrichten und Mails und bleibe doch immerwieder hängen:

„Lieber Bruno,

es ist soweit. Ich komme Dich holen. Montag Nachmittag. Um Sechzehnuhrzehn, Flug FI521 von Frankfurt. Das ist doch richtig, ja? Ich werde da sein. Ich freu mich so. So sehr. Wir bleiben Montag in Reykjavik. Du wirst ganz sanft landen. Ich habe uns ein Zimmer reserviert. Hotel 101. Du wirst es lieben. Und dann lernst Du noch die isländische Küche kennen. So fein und wunderbar. Ja, das gibt es. „Dill“ heisst das Restaurant. Dort werden wir essen. Bei Gunnar Karl Gíslason. Uns feiern. Erinnerst Du Dich an „North“? Das ist sein Kochbuch. „North“, Ich hatte es Dir geschickt, um Dir ein bisschen Appetit zu machen. Magst Du das? Ich bin so gespannt.
Wir fahren am Mittwoch früh nach Heimaey. Vorstellen müssen wir uns da erst nachmittags. Im Innovationsbüro. Bei Kristin Johannsdottir. Sie will uns zusammen kennenlernen. Und mit uns sprechen. Über die Ernsthaftigkeit ihres Projekts „1 Jahr Heimaey“. Ein Interview machen. Es sind nur noch 3 Paare im Rennen. Und wir sind dabei. Wir bleiben dabei? Ich wünsche es mir so sehr.

Ich drücke Dich. Feste.
Bis gleich …
Vona.“

„Vona“ ist hoffen auf Isländisch …“