27. Dezember 2014

die Gelegenheit.

"Die Gelegenheit, auf die wir warten, ist meist schon da."

Der Schriftsteller Paul Mommertz veröffentlichte diesen wahren und wunderbaren Gedanken in seinem "Sichtwechsel" (Aphorismen über Menschen und Meinungen) von 2005. Und das mit fünfundsiebzig Jahren. Das gefällt mir ausgesprochen gut. Der Wille zum Blick aufs Ganze und die sich ableitende Konsequenz. Das klare, zupackende. Die Dynamik. Aufmunternd. Anspornend. Großartig.

Den Mutigen wünsche und gönne ich "fortune". Und das von ganzem Herzen. Das französische "fortune" ist für mich mehr als nur Glück. Da schwingt mir immer eine Prise "Chuzpe" mit, was aus dem Jiddischen und dem Hebräischen für eine Mischung aus zielgerichteter, intelligenter und sorgloser Dreistigkeit steht. Eine Form charmanter Penetranz. Angstfrei. Unwiderstehlich. Das lässt sich üben. Man darf es nicht schleifen lassen, denn sonst gibt man ihn aus der Hand, den Schlüssel zur Verantwortung für das eigene Geschick.

Nicht zu unterschlagen ist das klugrelativierende "meist" im Mommertzschen Aphorismus. Signal und Bitte. Die Pause. Realität und Sensibilisierung. Das insichkehren vor dem Sprung. Reflektion? Mehr Bauch als Verstand, aber ja. Nun, manchmal wäre vielleicht auch mehr Verstand besser. Richtig. Aber gerade in Gefühlsdingen ist dieser oft ein eher unzuverlässiger Berater. Denn er kann für seine Antworten nicht auf die gesamte Klaviatur zugreifen. Ihm fehlen der Feinstrom, das "Zwischendenzeilen", der richtige Moment, das Glühen, die Magie des entscheidenden Augenblicks. Das Timing.

Vertraut auf Euer Herz. Nehmt euer Glück in die Hand.