17. Februar 2015

die Liebe. Eine Illusion?

„Die Liebe?“
„Eine Illusion.“
// Oscar Wilde

Ist sie das? Eine Illusion? Die Liebe?

Mit den Jahren hat die Liebe ganz unterschiedliche Flächen auf der großen Landkarte meines eigenen Gefühls- und Seelenlebens okkupiert. Für mich war es immer ein bisschen so, als würde man einen dieser transluszenten Globen von innen betrachten, auf dessen Außenhaut die kartographierten, privaten Befindlichkeiten abgebildet sind. Jedermann kennt diese strahlenden Abbilder der Welt, auf denen man so gerne große Reisen mit dem Zeigefinger unternommen hat. Ein Freund hatte einen solchen Globus als Barschrank. Er war allerdings nicht hinterleuchtet. Dafür befüllt mit einer Menge kostbarer, internationaler Spirituosen. Wie passend. Für viele und vieles. Erschreckend real. Ich mag die Summe dieser Assoziationen. Sie helfen etwas zu beschreiben, etwas zu verdeutlichen, was doch kaum zu fassen ist.

Wer erinnert sich an den Geschichtsunterricht und die zyklischen Routinen im „Wachstum und Zerfall“ einstiger Weltreiche? Ägypter, Assyrer, Alexander, Römer, Osmanen, Portugiesen, Spanier, Engländer und viele mehr. Ein Kommen und ein Gehen. Ein Auf- und Zusammenpulsen von farbigen Flächen auf angegilbten Leinwänden im lärmigen und muffigen Klassenzimmern.

So oder so ähnlich habe ich die Liebe lange Zeit erlebt. Als einen mal mehr und mal weniger freundlichen Überfall auf ohnehin sensible Gebiete. Es hat ein bisschen was von der Erschließung von Räumen, in denen man eigentlich nicht bauen sollte, weil sie seismographisch auffällig sind. Kein vernünftiger Ingenieur sollte versuchen, empfindliche und filigrane Strukturen in einem Erdbebengebiet zu etablieren. Es sei denn, er weiss genau, was er da tut. Und wer weiss das schon in Sachen Liebe. Wer kann von sich behaupten, alle Details studiert zu haben?

Inzwischen habe ich für mich erfahren, die Liebe als etwas anzunehmen, das nicht versucht, mich zu besetzen und das ich auch nicht wie einen Kartoffelsack jemandem überstülpen kann. Sie ist vielmehr wie eine Wolke. Wenig stofflich. Deren Teil ich werden kann in ganz unterschiedlichem Kontext. In ganz vielen Bereichen. Und ganz stufenlos. Es gibt so viel mehr als „Schwarz“ und „Weiss“, „An“ und „Aus“. Man muss das nur zulassen. Und man muss es zulassen wollen. Und können. Man kann es lernen.

Für mich ist die Liebe keine Illusion. Ich resigniere da kein bisschen. Für mich ist sie vielmehr eine Illustration. Eine Collage der eigenen Hoffnungen, Wünsche und Ideen. Der persönlichen Ideale und meines privaten Anspruchs an das Wesen eines fein- und wohlfühligen, respektvollen Miteinanders. Und so viel mehr.

Die Liebe ist wie mein zuhause. Egal wo und wie ich gerade bin.