22. Dezember 2014

Erkenntnis.

"Die Distanz ist eine Mutter der Erkenntnis" // Michael Marie Jung

Ein Ritual. Das aufwachen kann sich anfühlen, als wüchse man in sich hinein. Man tastet das Außen ab von innen. Die Dunkelheit, die Stille, die Bewegungslosigkeit. Kein fremder Impuls. Den Blick in sich gerichtet, fokussiert man den ersten Gedanken des Tages. Umkreist ihn langsam. Hält inne. Immerwieder. Perspektivwechsel. Unverbraucht und klar. In diesem Moment. Er ist besonders. Es fühlt sich gut an. Man erspürt sich und wird zum selbst. Synchronisiert. In Ruhe. Ich gönne mir diesen Augenblick im Abstand, den man gedanklich abschreiten kann. Es hat etwas von einem frischen und unverbrauchten Museumsbesuch. Früh am Morgen. Man ist noch ganz alleine im Saal. Man sucht sich sein erstes Motiv des Tages und das ist besser kein apokalyptischer Hieronymus Bosch. Ich nehme mir heute lieber einen Pieter Brueghel vor. Der Ältere, genannt der Drollige. Rennaissance. Niederländische Dynastie. Seine "Jäger im Schnee" zum Beispiel. Das ist von 1565 und es gibt eine Menge zu entdecken. Viele schöne Details. Und noch mehr, wenn man mal ein Stück zurückgeht. Abstand findet. Distanz und Erkenntnis. Denn ein "Jäger im Schnee" ist man selbst.

"Jäger im Schnee" Pieter Breughel d.Ä. (1565)

"Jäger im Schnee" Pieter Breughel d.Ä. (1565)