19. Januar 2015

Glück ist nicht vorgesehen

Heute las ich bei meiner Facebookfreundin Annekatrin Tretow:
„Die Absicht, dass der Mensch "glücklich sei" ist im Plan der Schöpfung nicht vorgesehen.“  Das ist ein Klassiker von Sigmund Freud aus seinem Werk „Das Unbehagen in der Kultur“ aus dem Jahr 1930. Die umfangreichste seiner kulturtheoretische Abhandlungen, in denen es mehr oder weniger immer um den Gegensatz von Kultur und Trieb geht. Um die Kultur als eine Quelle des Leidens. Ohje.

Dieser Krempel ließe sich sicher mal recht großzügig entrümpeln. Auch wenn ich gerade ein imaginäres, bitteres Stöhnen der Freudianer zu vernehmen glaube. Das mit dem „Plan der Schöpfung“ kann einen wirklich kaum erfrischen. Glück als solches ist  allerdings auch in der Evolution nicht wirklich vorgesehen. Nicht wahr, Herr Darwin? Zumindest je nachdem, wie man das mit dem Glück definieren will.

Ich habe das ja auch schon ein paarmal versucht. Unter anderem in meinem Essay „Erwarte das Glück schlafend“, was man hier nachlesen kann, wenn man das denn möchte:
http://www.brunoschulz.de/erwarte-das-glck-schlafend

Zurück zu Freuds Worten. Er mag recht haben mit seiner These, dass das „glücklich sein nicht vorgesehen“ ist. Nicht per se. Das bedeutet allerdings nicht, dass es die Natur nicht vorgesehen hätte, uns mit den dazu nötigen Werkzeugen auszustatten. Zum Beispiel mit Herz und Verstand. Denn damit kann ein großartiger Gastraum geschaffen werden, in dem sich das Glück immer wieder aufhalten mag. Gerne auch für ein längeres Gastspiel. Das Glück hat es ja auch nicht eben leicht, ein ordentliches zuhause zu finden. Man kommt ihm selten entgegen. Gastfreundschaft? Fehlanzeige! Gebt dem Glück doch auch mal eine Chance. Man muss es auch zulassen können und annehmen wollen.

Es liegt an uns, die Parameter zu setzen, den Maßstab zu finden. Zu sich selbst und in der Welt. Das macht vieles leichter. Das Glück der kleinen Dinge. Am besten man fängt sofort damit an: „mehr Zeit für Glück“. Das ist schon lange meine Lebensmaxime. Daran lässt sich arbeiten und sehr gut auch damit.