10. Dezember 2014

jung sein.

Ich liege gerade die letzten Minuten einer unruhig durchdachten Nacht in meinem Lotterbett wie die aufgebahrte Nofretete. Bestaune meine innerliche Sanduhr, durch die diese Nacht wieder durchgelaufen ist ohne einen Moment freundlich innezuhalten. Blättere im liebgewordenen Morgenritual durch eine Aphorismensammlung. Das ist wie "Zähneputzen für Gedanken". Man hat danach einfach einen besseren und frischeren "Geschmack" im Kopf. Heute ist es ein versöhnlicher Gedanke von Hans Christoph Kaergel. Der schlesische Schriftsteller lebte von 1889 bis 1946, aber ich finde seine Überlegungen immeraktuell:

"Jungsein heißt: Nie fertig sein, immer wieder lernen, versuchen, umstoßen, verfluchen, irrelaufen und dennoch wieder die Tür zur eigenen Stube finden. Wer jung ist, bleibt es bis zum letzten Atemzuge; denn Jugend ist nichts anderes als eine innere Haltung."

Vielleicht kann man das medial arg strapazierte Wort "Jugend" gegen ein unverdächtigeres austauschen. Muß man aber nicht, denn die Vokabel kann ja wenig für ihren Mißbrauch. Es ist ja eben auch nicht ganz so schlimm wie bei dem armen Adjektiv "nett".

Inhaltlich spricht es mir gerade aus der Seele ...