24. Januar 2015

nach Mitternacht

Gerade chatte ich ein bisschen mit meiner Freundin Annette. Es ist schon spät, so gegen eins. Während ich an meinen Texten arbeite, schleife, feile, fliege ich mit halbem Auge von Zeit zu Zeit über meinen Facebook-Stream. Der grüne Punkt neben Annettes Namen signalisiert mir ihre späte Aktivität. Oder früh? Ich mag diese nächtlichen Lichtzeichen. Leuchttürme in einer digitalen Welt. Ich winke ihr, ein kleiner Gruß von Haus zu Haus. Rohrpost durch ein Netz, das nie schläft, das immer pulst. Und oft entsteht aus einem freundlichehrlichen „wie geht es Dir“ ein Impuls. Aus einem kleinen und unscheinbaren hin und her wird ein Gedanke, der mit Worten modelliert werden will.

Austausch über dies und das, freundliche Worte, Meinung zu meinen Texten, die sie von Zeit zu Zeit liest. Und auch die Kommentare, über die wir jetzt sinnieren. „Viele Frauen“, sagt Annette, „fast nur Frauen“. „Ja so scheint es Annette, aber vielleicht sind die Kerle auch nur zu faul, ein „gefällt mir“ zu hinterlassen, zu schüchtern oder arrogant für eine Notiz oder meine gefühligen Passagen sind einfach ihre Sache nicht. Was ich nicht schlimm finde, denn zum Schluß schreibe ich ja oft für mich selbst.“ „Für Dich selbst?“ „Ja, natürlich. Häufig sind die Texte ja Reflektion und ein Festhalten, ein Dokumentieren vielleicht. Definition, Gedanke, Haltung, Bezug.“ „… und Emotion …“ „Ja, unbedingt.“ „Das ist es vielleicht, Deine Bereitschaft, Gefühle zu zeigen.“ „Du meinst eine Art Gefühlsbekenntnis?“ „Ein schönes Wort.“ „Ja, ich finde das wichtig, das macht mir mein Schreiben erträglicher, authentisch, seismographisch. Bewegungen erfassen, Strömungen und Richtungen …“ „… es macht Dich transparent.“ „Mag sein, auf alle Fälle ist es ehrlich. Fragen die mich wirklich beschäftigen, Antworten, die ich suche und manchmal sogar finde. Manchmal. Vielleicht. Standortbestimmungen. Auch Irrwege. Immer Momentaufnahmen.“ „Die sind oft ziemlich persönlich. Und manchmal auch sehr nah in der Ansprache.“ „Natürlich reagiere ich auf die Befindlichkeiten der Menschen, die mich lesen, das ist doch gar keine Frage. Oft haben wir dieselben Bilder im Kopf, ähnliche Gedanken, ähnliche Wünsche, Träume und Hoffnungen. Und manchmal sind es ja auch die Sorgen und Nöte.“ „Das mögen wir Frauen, Bruno.“ „Annette, ich schreibe so gerne von den Frauen und für die Frauen. Ich mag sie. Sehr. Und mit manchen Texten mag ich einfach leise und zärtlich ihre Seelen streicheln. En passant. Unbekannterweise. Wenn mir das gelingt ...“