8. Januar 2015


"Vertrauen wird dadurch erschöpft, daß es in Anspruch genommen wird." // Bertolt Brecht.

Ein bisschen schal und auf jeden Fall nicht ausreichend schlafzufrieden, stolpere ich heute auf meiner spontanen Suche nach "Vertrauen" durch meine Zitate- und Aphorismensammlungen und bin eher vorsichtig begeistert, was die großen Geister dazu zu sagen haben. Und das ist noch geprahlt. Meine schwindenden Erwartungen bestätigen sich mehr und mehr in raumgreifenden, pathetischschwurbeligen "Bonmots" mit Anspruch auf Ewigkeitswert. Ich erspare uns die Beispiele. Jeder der will, wird sie finden.

Aber eines sticht heraus. Der Brecht fasst mich an. Nüchtern. Klar. Vertrauen als erschöpfliches Gut. Als Brennstoff vielleicht. Vollgetankt lässt es sich leichtfertig damit umgehen. Aber wenn es zur Neige geht, dann ist es wie mit einer allzu knappen Daunendecke im winterlichen, ungeheizten Schlafzimmer bei offenem Fenster. An irgendeiner Stelle friert man immer und die Stellen werden größer. Der Frost kriecht in einen hinein. Fast hätte ich Frust geschrieben. Es passt. Egal wie man sich dreht und es wendet. Es wird nicht mehr besser und nie mehr gut.

Im Vertrauen muss ich an ein paar gute, feste Wanderstiefel denken. Deren wahre Qualität habe ich zu schätzen gelernt, als ich mit Freunden zufuss über die Alpen gegangen bin von Obersdorf nach Meran. Man hat natürlich nur ein Paar Schuhe dabei und stellt sehr schnell fest, wie sehr man auf diese angewiesen ist. Wie wichtig es ist, sie gut zu pflegen und sorgsam mit ihnen umzugehen. Man muss auf sie achten und auf sich in ihnen. Damit man sich keine Blasen holt, sich nicht wund läuft. Nicht nur die gute Sohle ist so unerläßlich wie endlich.