8. August 2014

#naehe

Nähe. In Worttrennung Nä-he. Nähe ist ein Singularetantum. Der Begriff Singularetantum stammt aus dem Lateinischen und setzt sich zusammen aus singularis für im Singular stehend und tantum für nur. Ein Singularetantum ist ein Substantiv, das nur in im Singular, also in der Einzahl vorkommt. Da es außer Nähe noch weitere Worte gibt, die nur in der Einzahl vorkommen, gibt es für das Singularetantum als Begriff eine Mehrzahl, also einen Plural. Der Plural von Singularetantum heisst Singulariatantum.

Nähe findet als Wort seine Wurzeln im mittelhochdeutschen „næhe“ und im althochdeutschen „nâhî“. Die Existenz des Wortes selbst ist seit dem 9. Jahrhundert belegt.

Geht man nach den gängigen deutschen Wörterbüchern, steht Nähe für eine kurze räumliche Distanz. Nähe steht auch für eine Zeit, die von einem bestimmten Punkt aus in nicht allzu ferner Zukunft liegt. Man kennt sie aus dem historischen Schiffbau, wo große, flach gebaute Fähren mit geringem Tiefgang “Nähe“ hiessen. Mir kommt gerade die Definition von der engen persönlichen oder sozialen Verbundenheit am nächsten.

Lässt sich Nähe mit all dem wirklich greifen? Fehlt nicht das magische? Das magnetische? Das sehnsüchtig faszinierende? Das leidenschaftliche, zärtliche, liebevolle, spürende? Das dufteinsaugende? Das glühende, sich anziehende? Das wunderbare, sinnliche, elektrisierende? Aufregend und beruhigend. Sturm und Stille. Glück und Melancholie. Bittersüss. Zuneigung. Zauber. Nähe ist Verständnis ohne Wort und Zeichen. Nähe ist spürbarer Raum. In Nähe wird Liebe stofflich. Sie ist besonders und verbindend. Unsichtbar und offensichtlich zugleich. Zart und leicht und doch felsenfest. Nähe tut nur dann weh, wenn sie nicht da ist. Nähe lebt im Moment und ist dadurch nie beliebig. Immer einzigartig. Nie in Vielzahl, nie Plural. Nähe ist ein “Singularetantum“ …

“… die Sehnsucht nach Nähe bringt Liebe ins Leben und Leben in die Liebe.“ // Ernst Ferstl in “365 Liebesgedanken“.

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Nachtrag nach einmal darüber schlafen: Die Wörterbücher beschreiben Nähe als Distanz. Räumlich. Zwar kurz, aber ist sie nicht genau das Gegenteil?