11. Dezember 2014

Peter Härtling und die Nähe.

"Nähe heißt nicht, daß man gegenseitig seine Haut fühlt, sondern daß man gegenseitig seinen Alltag fühlt." // Peter Härtling

... es ist demnach eher ein "einlassen" als ein "ranlassen". Mehr "teilen" und "miteinander", als "geben und nehmen". Ja, Peter Härtling, das kann ich sehr gut nachfühlen. Das ist der feinmodellierte "space between" glücklicher Zwischenmenschlichkeit.

Wer sich mit der Vita des Schriftstellers Peter Härtling beschäftigen möchte, der wird feststellen, was Nähe nicht nur scheinbar zu heilen und zu schaffen vermag. Schrecklichste Erfahrungen in früher Jugend. Flucht und Verlust der Heimat,Tod des Vaters in Kriegsgefangenschaft, Vergewaltigung der Mutter durch russische Soldaten, die er gezwungen wird mitanzusehen, ihr Selbstmord wenige Jahre darauf. Als junger Mensch ist er allein in einer fremden Stadt, in einer fremden Welt: Härtling ist allen Widerständen zum Trotz zu einem empathischen Menschen und Schriftsteller mit einem hohen Maß an gesellschaftlicher Verantwortung gereift. Lesen lohnt sich. Ganz unbedingt.