4. August 2014

„Wenn wir unsere Richtung nicht ändern, werden wir dort ankommen, wohin wir gehen“ // chinesisches Sprichwort

… aufwachen. Das Fenster ist offen. Fast hell. Noch nicht ganz. Es war nicht wirklich spät. Nicht so richtig. Gestern.

Ein Abend mit lieben Menschen und seltsamen Zufällen. Gibt es das? Zufälle? Seltsame? Eine Revue mit viel Vergangenheit und ein bisschen Wohlfühlgegenwart. Gegenwart mit der man lebt. Die Gegenwart mit der man sich ganz gut arrangiert hat. Sie passt wie ein alter Turnschuh. Man kann es gut damit aushalten. Für den Moment. Es gibt selten Druckstellen. Man kann sich kaum noch erinnern wie es sich anfühlt wenn etwas heilt. Wenn etwas besser wird. Natürlich ist das Klagen auf hohem Niveau.

Auf dem Bauch liegt noch “The Weekender“. Tolles Heft. Das Magazin für Einblicke und Ausflüge. “Giant Sand“: ein prima Artikel. Bei dem Special danach über geistreiche Getränke bin ich dann wohl eingeschlafen. Ich kann mich jedenfalls nicht richtig erinnern. “Wermut“. Das ist nicht so meins. Vielleicht habe ich auch einfach zu wenig Ahnung von dem Stoff. Aber davor. Davor war “Giant Sand“ und da ging es unter anderem um Suffizienz. Ein Paar ist in die Mojave Wüste gezogen. Stephanie Smith und Jay Babcock. Sie haben ein zurückgelassenes, heruntergekommenes Anwesen gekauft, mit ein paar wenigen Nachbarn Freundschaft geschlossen und leben inmitten einer extremen Natur. Wo ist eigentlich meine Brille?

Wir haben draussen gesessen und Antipasti gegessen: Babytintenfische, Vitello Tonnato, Spaghetti mit Edelfischen. Und wir haben eine Flasche Regaliali getrunken. Einfachen, weissen Sizilianer. Ein ehrlicher Sommerwein. Wasser. Caffè. Einen Amaro. Und ein bisschen hausgemachte Cassata. Gepflegtes Bildungsbürgertum. Menschen die sich mögen, nett miteinander sind und wirklich nur ein ganz kleinwenig zynisch. Kinder spielen Fussball auf dem kleinen Marktplatz. 10 Uhr. Ein lauer Sommerabend. Mediterrane Atmosphäre. Das Paar in “Giant Sand“ ist deutlich jünger als meine Freunde und ich. Vielleicht Mitte 30. Ein letzter Absacker. Früh zuhause. Alleine. Schlimm und schön. Schlimmschön. Melancholie.

Was verbindet mich mit Stephanie und Jay? Da ist sie, die Brille. Neben das Bett gefallen. Intakt. Zum Glück. Jetzt kann ich die Uhrzeit lesen. Auf dem iPhone. Es ist 6. Keine Nachrichten. Natürlich nicht. Es ist 6 Uhr und es ist Sonntag. Wach. Also, was ist es? Was gefällt mir an “Giant Sand“? Ist es überhaupt “Giant Sand“? Ich denke, es ist die Perspektive. Es ist der Ansatz, Abstand zu gewinnen um anzukommen. Natürlich mag ich nicht in der Wüste wohnen. Und tue es ja doch. Irgendwie. Ankommen wäre jetzt schön.