14. Juli 2014

Sehnsucht.

Der englische Dichter Robert Browning hat zur Mitte des 19. Jahrhunderts notiert: „unsere Sehnsüchte sind unsere Möglichkeiten“.

Der griechische Großphilosoph Platon näherte sich der „Sehnsucht“ mit seinem Mythos von den Kugelmenschen. Story und Set sind ein wenig abstrakt: Erzählt wird von einem Gastmahl, dem „Dialog Symposion“, zu dem alle geladenen Gäste etwas zum Dauerbrenner „Eros“ beizutragen hatten. So auch der fiktive Dichterstar Aristophanes. Sein Thema war die „Sehnsucht“ und seine Story ging in etwa wie folgt: ursprünglich hatten die Menschen kugelförmige Rümpfe, vier Hände und Füße und auch noch zwei Gesichter auf jeweils einem Kopf. Die Kugelmenschen waren echte Party-Animals. Sie genossen ihr Leben in vollen Zügen und eines Tages wollten sie in ihrem Übermut den Himmel stürmen. Ich habe dafür das vollste Verständnis - nicht so Zeus, der knickrige, alte Miesepeter. Der hob nämlich gleich den Zeigefinger und strafte die Kugelleute indem er jeden von ihnen in zwei Hälften zerlegte. Das Ergebnis sind die heutigen Menschen. Sie fühlen sich nur noch halb und leiden tüchtig unter ihrer Unvollständigkeit. Alle suchen sie nach der verlorenen andere Hälfte. Die lockermediterrane Auflösung durch den alten Griechendenker lautet nach einigem Retsina … wie könnte es auch anders sein: aus der Sehnsucht nach der früheren Ganzheit als Kugelmensch wurde erotisches Begehren ... "Destination Verschmelzung"! Nichts als Sex im Kopf.

Was bedeutet Sehnsucht für euch? Ist sie endlich? Faßbar? Habt Ihr Sehnsüchte? Meine Sehnsucht ist der Moment der Ruhe und des Ankommens. Wie ist das bei euch?

PS: in der griechischen Mythologie ist „Himeros“ der Gott der liebenden
Sehnsucht. Und der zog einst mit Eros und Aphrodite um die Häuser …