11. Februar 2015

Traum und Erfüllung.

„Träumen ist reine Glückseligkeit. Auf die Erfüllung warten ist das wirkliche Leben“ // Victor Marie Hugo

Dieses Warten, von dem Victor Hugo spricht, hat was von „geschehen lassen“. Und „Geschehen lassen“ ist wahrhaft großartig, denn es legt sich nicht unmittelbar stumpf fest. Es steht für viele Verhaltensmöglichkeiten. Zum Beispiel dafür, etwas zu dulden, es gewähren zu lassen. Das wäre passiv und vielleicht sogar devot. Es steht aber auch dafür, die Dinge anzutreiben, etwas aufzubauen, etwas passieren zu lassen. Das ist aktiv und man spürt sie förmlich schon beim ausprechen: Wille, Ambition, Engagement, Tatkraft und Gewißheit.

Keine von beiden finde ich in ihrer Reinform besonders realistisch, intelligent, noch erstrebenswert. Die erste Handlungsweise ist keine. Sie steht für Resignation. für eine Aufgabe am eigenen Willen. Die persönliche Position ist verlassen, verloren. Das klingt und ist auch ganz schön traurig. Die private, intime Skala für Empfindlich- und Empfindsamkeit verliert ihre und damit alle Maßstäbe. Leid, Trauer und Schmerz werden beliebig. Ohne Anfang und ohne Ende. Der Alltag und das Leben werden formlos. Konturenlos.
In der zweiten steckt Entscheidung, da schmeckt der frisch gewaschene und rasierte Pioniergeist durch. Das klingt erstmal nach Chancen und der „Welt in Deinen Händen“. Mit zwanzig Jahren ist das glaubwürdig und für die persönliche Entwicklung unbedingt maßgeblich. Wer das allerdings mit 50 noch immer für ultima ratio hält, der hat nicht richtig hingeschaut, nicht zugehört, nicht gefühlt, gerochen, geschmeckt und auch nicht wirklich geliebt.  

Anzunehmen, man könne das Leben beherrschen, ist eine Illusion. Die Annahme, die Macht und Fähigkeit zu besitzen, die eigene Bestimmung kontrollieren zu können, ist naiv und vollkommen unsinnig. Absurd! Und schrecklich langweilig dazu. Man werfe nur von Zeit zu Zeit einen vorsichtigen und empathischen Blick auf die Einschläge im nächsten Umfeld. Das Schicksal ist eine launische Schlampe.

Gelassenheit ist mein Stichwort. Den Lauf der Dinge anzunehmen. Das Unabänderliche zu akzeptieren. Aber auch hinzuschauen, einzugreifen und Impulse zu geben, anzustoßen. Richtungen zu suchen und zu finden. Grundsätzlich und dann, wenn es sinnvoll ist. Genau jetzt, in diesem Moment. Fragen. Entscheidungen treffen. Reflektiert. Da hilft eine Art persönlicher Seismographie. Die Empfindlichkeit der eigenen Sensoren orientiert sich nach einer komplexen Mischung aus Intelligenz, Empathie, sozialen und kommunikativen Kompetenzen, nach der eigenen Erfahrung, den körperlichen und sinnlichen Möglichkeiten, Talenten und noch so einigem mehr. Und es ist Liebe. Immer ist sie das. Es geht um Annehmen, um aktives und bewußtes Annehmen. Und um das „Loslassen können“. Und um den Willen dazu.

„Es gibt keinen Weg zum Glück. Glücklichsein ist der Weg.“ // Buddha