1. Februar 2015

Verliebtheiten …

Die letzten Tage haben mir wieder vermehrt Posts, Artikel, Essays, dies und jenes Redaktionelle über das Verlieben und die Verliebtheit per se an mein Leselotterbett gespült. Da bin ich fuchsteufelssensibilisiert, denn die Verliebtheiten sind mir wirklich ein waschechtes Lieblingsthema. Nur zu gerne mache ich mir am heutigen Sonntagnachmittag wieder mal ein paar Gedanken über meine eigenen Befindlichkeiten im Sujet.

Es ist gefühlt erst Stunden her, da habe ich in einem kleinen Kreis von Freundinnen und Freunden ein paar Passagen aus jüngeren, eigenen Texten vorgelesen. Über einen reichlich biographischen Moment haben sie sich sehr gefreut. Meine herzensehrliche Formulierung produzierte einen wunderbaren, gemeinsamen Lacher: „Ja, ich weiß, man soll mit seinen Schülern nicht flirten, aber diese Schülerin ist 39 Jahre alt und viel mehr Frau geht nicht. Für mich jedenfalls nicht. In diesem Moment. Ich bin nicht viel schwerer anzuzünden als das Teelicht, muss ich feststellen. Erschreckend. Immer noch. Manche Dinge ändern sich wohl nie. Das Feuer brennt.“ (https://www.facebook.com/derbrunoschulz/photos/a.586463294706382.1073741825.154450071241042/926599544026087/?type=1&theater).

Das war mein Signal, dass es subjektiv auf der Verliebtheitsskala viel mehr gibt, als den Status „Eiszeit“ oder das glühende, „ewige Eheversprechen“. Und das dazwischen sind sicher keine „Scheinverliebtheiten“, wie ich gerade lesen musste. Bei einem Autor, den ich ansonsten reichlich schätze für seine klugen Gedanken. Eine Verliebtheit ist für mich nie zum Schein. Vielleicht ist sie unterschiedlich groß und von variabelster Intensität. Sie ist wunderbar, die Verliebtheit des Moments. Der herzruckelnde Augenblick, wenn man spürt, wer und was man ist. Ehrlich und wirklich und wahr. Gefühlig, empathisch, empfindsam. Sender und Empfänger zugleich kleinster und feinster Noten. Empfänglich für die großartigen und unerwarteten Details, die Feinheiten und warmen Zwischentöne unserer Existenz. Man muss nicht immer gleich ganze Schwärme großer, bunter Falter vor der Nase haben, um das Gefühl des vorsichtigen Erahnens eines einzelnen Schmetterlings im eigenen Bauch genießen zu können. Feinsinnig echtes Leben spüren. Ich liebe das.

Dagegen sind die überall nachzulesenden, aktuellen Beiträge im Thema alle reichlich grob und nüchtern. Naturwissenschaftlich biologisch, soziologisch statistisch aus- und bewertend, empathiefrei despektierlich oder einfach desillusioniert und desillusionierend. Wie traurig. Liegt das an der Jahreszeit? Dem deprimierenden Spätjanuar? Oder ist das in Summe der alarmierende Befund für eine Gesellschaft, die gerade einen nahen, emotionalen Umgang mit sich selbst und unter ihren Seelen verliert?

Da mache ich jedenfalls ganz sicher nicht mit. Den Zauber meiner Verliebtheiten lasse ich mir nicht mit oszillierenden Hormonen begründen oder mit statistischen Wahrscheinlichkeiten ausrechnen. Ich halte es lieber mit der Hilda im Theaterstück "Baumeister Solneß" des großartigen norwegischen Dramatikers Henrik Ibsen: "Das hat man doch nicht in seiner Macht, in wen man sich verliebt!" Damit ist es doch grundsätzlich schon auf dem Tisch. Ich würde vielleicht noch einen Schritt weitergehen und ergänzen durch die interessanten Parameter „in wen oder was“, “wann", "wo", "wie" und "warum". Der Zufall hat unbedingt seinen ganz eigenen Charme. Das feine und individuelle Gewürz in unserem gelebten Eintopf, der unerwartete Strudel im ansonsten oft recht ruhigen und gleichmäßigen Fluß. Monotonie ist ja selten sexy.

Meine Empfehlung an mich selbst: jeden Tag ein bisschen verlieben und das Herz mal hüpfen lassen. Emotionale Gymnastik und Gefühlsstretching, denn Leben ist jetzt.

Mehr Zeit für Glück!