31. Dezember 2014

Veränderungen.

„Allen Veränderungen, selbst jenen, die wir ersehnt haben, haftet etwas Melancholisches an; denn wir lassen einen Teil von uns selbst zurück; wir müssen ein Leben sterben, ehe wir ein anderes beginnen können.“ // Anatole France

Eben bricht der 31. Dezember an. Das Jahresende. So kurz vor knapp erwischt es mich dann immer doch noch. Raus aus den Selbstverständlichkeiten. Aus den Routinen. Ein Stolpern. Ein Rucken. Zu groß die Zeichen, die Gravitation des symbolischen Moments, die Schwerkraft im Augenblick.

Der Begriff Gravitation stammt aus dem Lateinischen. „Gravitas“ bedeutet „Schwere“. Wir kennen sie aus der Physik. Sie ist eine der vier Grundkräfte. Gravitation ist die Kraft der Anziehung von Massen. Sie nimmt mit zunehmender Entfernung ab und hat dennoch eine unbegrenzte Reichweite. Gravitation kann nicht abgeschirmt werden. Das ist anders als bei elektrischen und magnetischen Kräften. Auf den Planeten sorgt sie als Schwerkraft dafür, dass Körper nach unten fallen. In den Sonnensystemen bestimmt sie die Wege und Lage von Himmelskörpern. Im Kosmos bewirkt die Gravitation die Bildung von Sternen. Und die von ganzen Galaxien. Und die Entwicklung im Großen. Das Überhaupt.

Das lässt sich für mich gut auf Gefühlswelten übertragen: eine Emotionale Gravitation! Eine unsichtbare Kraft. Ein spannungsvoller „space between“. Unmeßbar, aber in der Wirkung seismographisch erspürbar. Besondere Spannungsfelder entstehen in besonderen Momenten. In Bezügen von Augenblicken, individuellen und globalen Daten, Menschen, Lebewesen, Erfahrungen, Ideen, Visionen, Informationen. Zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie ist die Schnittstelle aller persönlicher Veränderung. Im Kleinen wie im Großen. Alte Systeme fallen in sich zusammen. Neue Systeme entstehen. „Durch Veränderungen formt sich ein starker Charakter, ein schwacher durch die Stabilität.“ Das hat der Denker Jean Paul gesagt. Der hieß eigentlich Johann Paul Friedrich Richter, lebte von 1763 bis 1825 und war Dichter, Publizist und Pädagoge. Das klingt mutig, richtig und richtig gut. Veränderungen verursachen Erfahrungen, sind Entwicklung, sensibilisieren, halten wach, stimulieren Denken, Reflektion und Vision. Veränderungen machen aus Ideen Pläne. Und aus Plänen Realitäten. Wahrheiten. Gerne auch eine ganz eigene. Und all das macht schließlich wieder Veränderung. Bewegung. Ein Kreisen. Einen Kreislauf.

Rainer Maria Rilke schrieb „Man kann gar nicht oft genug im Leben das Gefühl des Anfangs in sich aufwecken, es ist so wenig äußere Veränderung dafür nötig, denn wir verändern ja die Welt von unserem Herzen aus, will dieses nur neu und unermeßlich sein, so ist sie sofort wie am Tage ihrer Schöpfung und unendlich.“

Das ist der Lauf der Dinge. Das Leben ist kein ruhiger, langer Fluß. Darauf erhebe ich in wenigen Stunden mein Glas.
Ich wünsche Euch Lieben und Euch Liebenden einen schönen Jahreswechsel im Kreise Eurer Lieblingsmenschen. Ganz nach Eurem Geschmack und ganz in Eurem Sinne. Und denjenigen, denen das diesmal nicht vergönnt ist, die nötigen Veränderungen.
Bonne chance, Mut, Chuzpe, Fortune …

Prost.

„Der Langsame nimmt die Veränderung wahr,der Schnelle nur den Augenblick …“
// Anke Maggauer-Kirsche