6. Dezember 2014

Wahrheit.

"Eine Wahrheit kann erst wirken, wenn der Empfänger für sie reif ist." // Christian Morgenstern

Wahrheiten sind oft sperrig. Unbequem. Sie brauchen Raum, um sich zu entfalten. Man muß bereit sein und sich einlassen, damit sie wirken. Man mag sie zunächst gar nicht gerne annehmen, empfangen, nicht gerne hören. Es kann sehr schmerzhaft sein, Wahrheiten zu akzeptieren. Das menschliche Gehirn ist ein Großmeister der Illusion. Aus Erfahrungen zimmert es gerne teleologische Erklärungsmuster. Die sind hochsubjektiv, funktionieren für einen selbst ganz ordentlich, aber es knarzt oft gehörig an den Schnittstellen zum Aussen. Die Welt hört ja nicht damit auf sich zu drehen, nur weil ich das gerne so hätte.

Wahrheiten haben oft etwas von Plakaten. So wie die Ausstellungsplakate von Museen, zum Beispiel. Besonders von den typographischen. Da stehen Aussagen, unveränderlich gedruckt. Manche ästhetisch, manche vermeintlich auf ihre schlichte Aussage reduziert. Vermeintlich? Alles hat eine Form. Die Buchstaben stehen im Spannungsfeld der umgebenden Flächen, des Weißraums, des "space between". Und wirken dadurch.

Ähnlich ist es mit den Wahrheiten. Sie sind viel mehr als die Aneinanderreihung von Buchstaben. Erst eine ganzheitliche Wahrnehmung macht transportierte Information wahr. Das erfordert Konzentration und eine kritische, auch selbstkritische Sicht auf die Dinge. Und für den Moment den Willen zur Synchronisation von Absender und Empfänger.

Zum Lohn gibt einem die Wahrheit in den besten Augenblicken ein Gefühl von Klarheit, Purheit, Reinheit. Gut oder schlecht. Man muss sich das erarbeiten. Und man muss es aushalten können.