21. Februar 2015

"Wertschätzung"

Laotse ist mir immer eine beeindruckende Quelle von unaufdringlichen Weisheiten. Fernöstlich geprägt, aber ohne diese seltsamschwurbeligen Kundtaten, in denen Leere gerne mal mit Lehre verwechselt wird. Deren Aussagelosigkeit immerwieder mit dem subjektiven, rustikalen Hokuspokus mancher sinnlos sinnsuchenden Zeitgenossen aufgeladen wird.

Bei Laotse ist das ganz anders. Laotse gilt als Begründer des Daoismus und als Urheber des Dàodéjīng. Das ist die einflussreichste daoistische Schrift, die in ihrer heutigen Form im 4. Jahrhundert vor Christus entstanden sein dürfte. Das Dàodéjīng ist eine Sammlung von Texten und beschreibt so etwas wie eine humanistische Staatslehre, in der es um die Befreiung von Gewalt und Armut geht und um ein harmonisches Zusammenleben. Tolle Sache. Und das in einer Zeit, als sich unsere Vorfahren hier noch blutige Kaninchenfelle um die Füße wickelten, um durch den flächendeckenden Laubwald zu hetzen und Wild oder Mitmenschen zur Strecke zu bringen.

Nach aktuellem Stand ist Laotse vermutlich eine fiktive Gestalt. "Lǎozǐ" selbst ist ein Ehrentitel und bedeutet in etwa „der alte Meister“. Er steht für so eine Art Weisheitssammelkonto, auf das die Sinnsprüche unbekannter Autoren eingezahlt wurden, nachdem sie ein Auswahlverfahren und einen Prüfstand überstanden hatten. Eine Art "Sinn-TÜV", was nicht wirklich gegen die Sammlung spricht. Es kommt natürlich auf die Qualität der "Prüfingenieure" an. Die scheinen hier allerdings ganze Arbeit geleistet zu haben.

Ich schaue bei Laotse immerwieder und gerne vorbei und nehme immer etwas mit. Finde in dem gut gesicherten Klettersteig an Aphorismen zur Lebensweisheit Halt an unterschiedlichsten Positionen mit wunderbarer und zeitloser Bedeutsamkeit für das Hier und Heute.

"Man muß sich auf etwas verlassen können, von dem man nicht verlassen wird", lassen sie ihn sagen.

Klingt selbstverständlich, aber ist es das? Für mich geht es da um Respekt. Es geht um Integrität, um Loyalität und Kontinuität, um Verbindlichkeit. Um Liebe und um Wertschätzung.

Es gibt keine Wertschätzung, um die man fragen muss.

Es geht um Freundschaft. Und das Bewußtsein darum. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Starker Stoff. Schön, dass ich so wunderbare Freunde habe. Ich denke oft und gerne an sie. Und das immer sehr wertschätzend. Gerade jetzt und heute, an diesem Samstagmorgen in meinem Lotterbett. Allein und in leiser Melancholie.