vom Lapsus

Der „Lapsus“ ist ein interessanter Begriff. Er kommt aus dem Lateinischen, bleibt auch im Plural lapsus mit ellenlang gestrecktem „u“ und bedeutet "Ausrutscher". Die klassischen Philologen differenzieren zwischen dem lapsus calami, einem Schreibfehler, dem lapsus manus und dem Lapsus clavis, einem Tippfehler, und dem lapsus linguae. Das ist ein Sprechfehler oder ein Versprecher und wird zumeist mit dem freudschen Versprecher gleichbewertet. In der sprachlichen Fehlleistung enttarnt sich nach Sigmund Freud die tatsächliche Intention des Redners unfreiwillig. Der lapsus memoriae schließlich ist schlicht ein Gedächtnisfehler. Nur der Vollständigkeit halber.

In unserem Sprachgebrauch steht der Lapsus für einen kleinen, unbedeutenden Fehler. Kaum der Rede wert. Im Deutschen begeht man einen Fehler, der Lapsus jedoch unterläuft einem. Das hat etwas Schicksalhaftes. Etwas Unvermeidliches. Es ist wie es ist und es entbindet von Schuld, denn man kann ja nichts dafür. Das macht den Lapsus zu einem charmanten Werkzeug. Und darum weiß auch meine Facebookfreundin Angelika, die ungerne schulmeistert, aber gerne auf sprachliche Ungenauigkeiten hinweist. Auch kleinste Fehlerchen entgehen nur selten ihrer Akribie. Und mit ihrem Lektorat geht ihr Anliegen einher, unsere Welt ein bisschen schöner zu machen. Orthografisch zu entmüllen. Wenn man so will. Eine ehrenvolle aber oft undankbare Aufgabe. Sie gibt Hinweise. Verletzungsfrei als Lapsus bemessen. Das macht es leichter. Denn ein bemerkter Lapsus ist ja schnell verdaut und man hat hinreichend Luft, die wohlmeinende Korrektur künftig zu verinnerlichen. Das ist beinahe homöopathisch. In Dosierung wie Wirkung.

Mein Fazit? Hm, vielleicht das, dass ein Lapsus im Grunde gar kein Fehler ist, sondern vielmehr ein Pfosten von vielen, die eine Leitplanke tragen, an der man sprachlich besser durch den Alltag kommt. Mir gefällt der Gedanke.