von Enttäuschung

Als man einmal Romana Prinoth Fornwagner in einem Interview befragte, wie sie mit Enttäuschungen umgehen würde, antwortete sie ganz pragmatisch: „null Erwartungen, null Enttäuschungen“. Ok, die Italienerin ist Archäologin und ich habe das Bonmot etwas aus dem Zusammenhang gerissen, denn es ist Teil eines Gespräches in einer Fachpublikation über prähistorische Ausgrabungen. Und doch klingt es fast wie ein allgemeingültiges Heilmittel gegen die Frustrationen, die aus unerfüllten Erwartungen gespeist werden. Besonders schlimm ist es, wenn ebendiese im Laufe der Zeit bereits zur Regel wurden. Fornwagners Empfehlung wirkt dabei allerdings wie ein Sedativum, das zwar die Symptome lindert, aber die Ursachen nicht berührt.
  
Kurzfristig mag es helfen, für mich kann das aber nicht lange gutgehen. Denn Seditiva machen abhängig und verhindern die klare Sicht auf die Dinge. Man verfällt einer fatalistischen Egaltrance gerade dann, wenn man alle Sinne beieinander haben sollte.  
  
Die Ent-Täuschung ist schließlich kaum mehr als die Auflösung von Täuschung. Im Grunde Erlösung. Ob von außen oder von innen, bleibt sich dabei zunächst vollkommen gleich. Für eine saubere Bewältigung bedarf es an Erkenntnis und auch der Beschilderung von Ursachen: Habe ich mir etwas vorgemacht? Wurde mir etwas vorgemacht? Letztlich ist das vollkommen Wurscht. Es geht nicht um Schuldzuweisungen. Denn die stürmen zwangsläufig ins Leere. „Die Beer ist längst geschält“, wie der Pfälzer sagt, „die Nummer ist durch“. Hauptsache, man lernt daraus und verfällt nicht denselben Fehlern immer wieder aufs Neue.  
  
Zurück zu den Erwartungen. Der deutsche Jurist und zugleich russische Staatsrat August von Kotzebue konstatierte zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts: „Das Erwartete bleibt gewöhnlich unter der Erwartung.“ Es ist also eine Frage der Selbstdisziplin. Wer das verinnerlicht, darf Hoffnung haben, vorausdenken und wird doch nicht von der Realität kalt abgebraust. Glühen ist gut, Verglühen unnötig. Und wenn es anders kommt? Positiver? Na, umso besser!

© Bruno Schulz