von Komplimenten

„Ein Kompliment ist die charmante Vergrößerung einer kleinen Wahrheit“, meinte unser Jahrhundertheesters Johannes. Und mir gefällt sein Aphorismus so ziemlich am besten unter all den Definitionsversuchen, die ich bislang gelesen durfte. Naja, der Heesters war ja auch „fast“ Österreicher und die können das besonders gut, zartschmelzend, was hinreichend bekannt ist aus Film, Funk und Fernsehen. Heesters Geburt in den Niederlanden war vermutlich kaum mehr als eine zynische Laune der Natur. Dass er in Deutschlands dunkelsten Jahren den Goebbels poussiert hat zur eigenen Besetzungsoptimierung in Durchhaltefilmmachwerken, lassen wir ihm heute durchgehen. RIP.

Heute ist der 24. Januar 2018 und damit der „Tag der Komplimente“. Ausgedacht haben sich das die wohlhabenden wie wohlmeinenden Ostküsten-Amerikanerinnen Kathy Chamberlin und Debby Hoffman. Das muß sich offensichtlich nicht widersprechen. Ersonnen im Jahr 1998, feiern wir heute demnach auch den zwanzigsten Jahrestag einer sympathischen Idee.

„Zeigt heute (und nicht nur heute!) nahestehenden Personen, dass sie gemocht werden“, meinen die beiden und betonen explizit, dass nicht jedem beliebige Komplimente gemacht werden sollten. Nur in der Handverlesung lägen Chancen und ausreichend Zeit, um sich für jede wichtige Person ein eigenständiges und liebevolles Kompliment zu überlegen.

Ein Kompliment selbst ist eine wohlwollende und freundliche Äußerung gegenüber anderen und kann sich sowohl auf Leistungen wie auf Eigenschaften beziehen. Man sollte es nicht unbedingt als „zinsbringendes Darlehen“ verstehen wollen, wie das der amerikanische Zyniker und Satiriker Ambrose Bierce 1909 in seinem „Devil’s Dictionary“ publizierte.

Der „Tag der Komplimente“ ist übrigens nicht mit dem „Welttag des Kompliments“ zu verwechseln. Den feiert man am 1. März.