von Kritik und Auseinandersetzung.

Das ewige Genörgel, Kritisieren und Gezeigefingere in den Unsozialen Medien geht mir tüchtig auf die Nerven. Nicht, dass ich es nicht für wichtig hielte, Mißstände zu monieren, auf Unrecht hinzuweisen und Fehlverhalten anzumahnen. Aber es muss auch Ausdruck der Auseinandersetzung mit ebensolchem sein und darf nicht Selbstzweck werden. Von vielen Zeitgenossen liest man inzwischen nichts anderes mehr. Die regen sich schon im Bademantel frühmorgens über Fehlfarben auf der Beschalung ihres Frühstückseis auf und rekonstruieren daraus wutschnaubend und smartphonekommentierend eine bewusst diffarmierende Handlung zu Lasten von irgendwas. Glaskugelseherei. Reflektion? Fehlanzeige! Und immer Destination Tobsucht.  
  
Und stolpere über die Posts meines Facebookfreundes Ulf. Der versteht sich sogar selbst als Kritiker. Beruflich. Er setzt sich vor allem mit Musik auseinander und allerlei anderen kulturellen Dingen. Manchmal wird es auch politisch. Schwamm drüber. Zuvor war er Jurist. Kritiker und Jurist? Die Hölle. Mindestens. Und doch ist es ganz anders. Woran liegt das? Ulf ist positiv. Er entwickelt etwas, nachdem er sich damit beschäftigt und darüber nachgedacht hat. Das macht ihn beinahe solitär. Keine Phrasen, und selten nachgeplapperter Stereotypensprech. Fast immer eigenes Gedankengut und nie nur in wenigen Zeilen abgedroschen.  
  
Was also gefällt mir tatsächlich daran? Man schmeckt bei Ulf grundsätzlich eine positive Haltung. Und man spürt förmlich den Wunsch, Gedanken Raum und Entwicklung zu schenken. Und einen Dialog nebst Auseinandersetzung. Konstruktiv. Nicht destruktiv. Das Fazit am Ende. Da, wo es hingehört und nicht zu Beginn, was jede Diskussion per se erübrigt.  
  
Ist das hier eine Ode an Ulf? Nein, aber ein Plädoyer für den formulierten Gedanken. Und der würde vielen besser stehen als die schlichten cäsarischen Urteile mit Daumen hoch oder runter: „ave Caesar, morituri te salutant“.