von Kunst, vom Können und vom Wissen.

Die Kunst hat mit "können" deutlich weniger zu tun, als man gerne glauben möchte. Etymologisch. Schon weil „können“ als Verb noch gar nicht gebraucht wurde, als es „Kunst“ längst gab. Diese hat sich im Althochdeutschen zuerst aus dem Verb „kunnan“ entwickelt. Und das stand ursprünglich für „wissen“. Für „kennen“ und „erkennen“. „Kunnan“ wurde erst sehr viel später auch zu „können“. Und damit hat sich dann der Sinn vom eigentlichen Wissen zum Handeln aus der Befähigung daraus verändert. Ein ziemlicher Spagat. Und tiefer wollen wir an dieser Stelle auch nicht ins Indogermanische beziehungsweise Indoeuropäische einsteigen, um größere Verwirrung zu vermeiden. 

Die spätere, typischdeutsche Verbindung von „Kunst“ und „können“ lässt sich tatsächlich auf den österreichischen Mundartdichter Johann Nepomuk Nestroy zurückführen. Der meinte ganz volkstümlich: „Kunst kommt von Können, und wenn man’s kann, ist es keine Kunst“. Das Meisterwerk sozusagen als Laubsägearbeit. Das sorgte tatsächlich nachhaltig für eine Fehlinterpretation der kreativen Verhältnisse. Die Nestroy-Phrase gehört wohl eher als Graffiti auf eine Schulklotür als in die Prozesse sinngebender Auseinandersetzungen mit dem Sujet.  
  
Wie schön, dass sich die Gefühle für ein Wort und dessen Volumen sprachwissenschaftlich nachspüren lassen und die tatsächliche DNA viel näher an der eigenen Interpretation liegt, als im Schwachsinn der schunkeligen Allgemeinplätze. Kunst kommt von Wissen, vom Kennen und vor allem dem Erkennen.  
  
Für mich im „Erleben“.