von Nähe

von Nähe.   
(vom 2. November 2014)   
 
Eine gute Suppe ist ein Teller liebevolle Fürsorge.

Ich schätze sie sehr, die aufrichtigen Gespräche mit meiner Freundin Mechthild . Das sind wärmende Gespräche. Sehr privat. Sehr persönlich. Tiefgründig und ehrlich. Solche Gespräche sind wie eine großartige, dicke, warme Suppe nach einem dieser überlangen Herbstspaziergänge, bei denen einem die naßfeuchte Kälte tief in die Knochen kriecht.

Ich sitze steif und muskelkatrig mit roten Wangen am Küchentisch über dem dampfenden Teller, habe den Löffel schon in der Hand und schaue aus dem Fenster. Es dämmert früh und der Nebel hat sich draußen erfolgreich eingerichtet. Mühsam senden die müden Straßenlaternen ein paar kraftlose Lichtstreifen.

Der Nebel lässt sich nicht mehr vertreiben. Draußen nicht und auch nicht aus dem Sinn. Schlimm und schön zugleich. Das Jahr verliert an Kraft. Es wird müde. Spürbar. Die Melancholie wirkt langsam. Sie ist ein süßes Gift.