von Apfelbäumen und Orangen

„Man kann Apfelbäume
nicht um Orangen bitten,
das Leben nicht um Glück und
die Menschen nicht um die Liebe.“

Das stammt so in etwa aus einem Brief, den Gustave Flaubert im Jahr 1842 an Ernest Chevalier geschrieben hat. Naja, natürlich nicht so ganz. Ich habe das ein bisschen angefasst. Aus seinem Kontext herausgezerrt, hin- und hergedreht. Entkleidet und verdichtet. „Customized“, neudeutsch. Darf man das? Ich finde schon, denn nun passt es für mich selbst ganz ausgezeichnet: mein Flaubert-Remix Re. 2.0. Wie sehr Ihr das?

Im Original klang die ganze Nummer so:

„… Wie geht´s, alter bâtin? In welchen Zustand ist so ein Mensch wie Du zurückgeworfen. Beruhigen Sie sich, tapferer Mann, beruhigen Sie sich doch. An Stelle der Rechte sollten Sie ein wenig Philosophie studieren, lesen Sie Rabelais, Montaigne, Horaz oder irgendwelche anderen Burschen, die das Leben unter einem ruhigeren Gesichtspunkt betrachtet haben und lernen Sie gefälligst ein für allemal,

daß keine Orangen von Apfelbäumen fallen, daß man keine Sonne von Frankreich erwarten kann, keine Liebe von Frauen, kein Glück vom Leben.

Ich schreibe Dir und würde Dich gerne für eine Viertelstunde etwas belustigen und Dir das Gesicht aufblühen lassen durch einen etwas schmutzigen und zornigen Brief. Du machst den Eindruck eines ganz heruntergekommenen Menschen :un être absurde, un mort qui se réveille,Un bœuf,un hidalgo de la Castille-vielle …“

Flaubert schrieb eine Menge tolle Sachen. Und besonders tolle Briefe. Wir alle schreiben ohnehin viel zu wenig. Aufzumuntern, zu begeistern oder zu trösten, Anteil zu nehmen? Auf Papier. Wann habt Ihr Euren letzten Brief geschrieben?