vom Licht

vom Licht.  
(im Oktober 2015)

Gestern kam mich der Peter mit seiner Liebe besuchen. Peter war der kleine Bruder meines Schulfreundes Klaus. Und irgendwie ist er das noch immer. Jetzt und mit Mitte Vierzig.  
  
Der Klaus ist gestorben. 2012. Viel zu früh. Wir hatten eine gemeinsame Schulkarriere mit Spannungen, Abrissen, Wechseln und einigen Querelen. Für die Nervenkostüme unserer Eltern waren wir wahrhafte Herausforderungen.  
  
Geschafft haben wir unser Abitur dann doch noch. Zusammen und jenseits der Landesgrenzen. Sowas schweißt irgendwie zusammen. Und wenn uns auch nicht die ganz große Freundschaft verbunden hat, so waren wir uns immer zutiefst sympathisch zugetan. In unseren Besonderheiten und Eigenwilligkeiten. Geradlinige Lebensläufe waren unsere Sache jedenfalls nicht.

Ich durfte einen Nachruf auf ihn schreiben. Eine Ehre, die mich bis heute immerwieder in Melancholie einholt.  
  
„außergewöhnlich, unangepasst, unvergesslich:  
Wir nehmen Abschied von Klaus Menzel    
Du warst uns ein Freund, viel mehr als ein Gastgeber.  
Mit Deiner Phantasie, Deiner ART und Deinem COOKING  
hast Du uns einen Raum geschaffen.  
Einen Raum voller Leben. Du hast es verstanden,  
die Dinge zusammenzuführen: Menschen, Ideen, Haltung.  
Dein Raum lebt in unseren Herzen weiter:  
Rock’n’Roll … und Currysauce.  
wir vermissen Dich  
Freunde und Gäste“  
  
Ich erinnere mich sehr gerne an die Leichtigkeit, mit der wir in den Achtzigersommern in seinem alten Alfa zur Schule gefahren sind und in den Wintern in meinem alten Chevy. Und bedrückt an die fassungslose Trauergemeinde an einem kalten Wintermorgen, nicht ganz 30 Jahre später.  
  
Sein Bruder Peter und ich pflegen einen losen, aber doch halbwegs regelmäßigen Kontakt, was mich ausgesprochen freut. Lebenslinien sind eben nicht beliebig und wir verspielen nicht unsere Bezüge. Wir tauschen uns aus. Mal digital und mal in Echtzeit. Er hat sich ein Sabbatical genommen und die halbe Welt besegelt. Eine bewundernswert klare und mutige Entscheidung. Ich respektiere seine Konsequenz sehr. 

Gestern saßen wir bei meinem Hausitaliener, meiner „Kantine“ quer über den Kirchplatz. La Dolce Vita. Es ist schön, dass unsere Gespräche ein Gestern, ein Heute und ein Morgen kennen. Er hat sein Buch mitgebracht: „Rückenwind“. Das hat er in seiner Auszeit geschrieben und selbst verlegt. Natürlich hat es stark autobiografische Züge und ich freue mich wirklich und von Herzen darauf, es in den nächsten Wochen zu lesen.

Wir saßen im Fenster. Die Herbstsonne meinte es gut mit uns. Der Raum war voller Licht. Erinnerungen. Und voll von Perspektiven. Ich schätze solche Momente. Sehr.