"am Strand"

Die Kurzgeschichte ist zuende und kurz darauf das Lied. Ich ziehe die Kopfhörer und schließe das Buch. Dann die Augen. Ich sitze im Sand und lausche der Synfonie meines Nachmittags am Meer.

Die Flut wirft sich neugierig klatschend auf den Strand.

Und zieht sich zurück. Zischend und kichernd. Über Myriaden von Muscheln macht sie Platz für den nächsten Schwung. Die Waschmaschine rollt. Unaufhörlich. Das Grummeln der See in immergleicher Wiederholung. Ohne Anfang und ohne Ende.

Darüber legt sich der Wind. Er tönt auf und ab. Tücher flattern, Fahnen knattern, bunte Zelte winden sich, stellen sich gegen die Böen, die unermüdlich angreifen. Ein Summen, Sirren, Kreischen. Dann plötzlich Stille. Zurück bleibt die Brandung.

Metronome setzen ein, mal gegenläufig und dann doch synchron. Tacktacktack. Eine Kakophonie. Rhytmisches Pochen. Orffsche Instrumente? Menschen spielen Frescobol. Zwei Schläger aus Holz, ein Gummiball. Die Distanz macht den Takt. Kürzer, länger. Der Verstand sucht das Schema und weiß, dass er scheitern muss am Zufall des Spiels und dem Einsatz der Spielenden.

Flipflops schmatzen vorbei. Solisten, Paare, Formationen. Nähern sich, entfernen sich wieder und werden begleitet durch dumpfes Stapfen in tiefem Sand. Das klingt wie das Mörsern von Getreide in afrikanischen Dörfern. Es fehlt der Gesang?

Kinderlachen, Frauenstimmen, Männermurren. Ein Hundebellen zerfetzt den dichten Teppich für den Augenblick. Über allem liegt das Kreischen der Möwen. Fräst sich ein in alle Erinnerung.

Die Sonne beisst sich in die Haut. Lässt wieder ab, muss cremigzarten Wolken weichen, deren kühlende Schatten mich milde streicheln. Fantasiefiguren jagen über den Himmel. Rorschach. Tintenkleckse, weiß auf blau. Türmen sich auf, zerfasern und verlassen die Bühne.

Und das Meer rauscht.

© 22. Juli 2017

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