"Der Hund schnarcht"

An einem Sonntag im Juni.

Der Hund liegt wie erschossen in seinem Korb
und riecht nach einem Sack gerösteter Haselnüsse.
Schläft tief und fest und schnarcht großmütterlich.
Träumt von seinem frühen Ausflug durch den Park.

Die Sonne frisst sich ein Loch in den Wolkenbrei,
tanzt auf den Blättern der Linden, die sich sanft wiegen,
mich durch das Fenster grüßen, um mich rauszulocken.

„Who knows who wrote that song of Summer
That blackbirds sing at dusk
This is a song of colour
Where sands sing in crimson, red and rust
Then climb into bed and turn to dust“

Kate Bush singt vom „Sunset“ in ihrem Album „Aerial“.
Der Song dreht sich erst träge in den Nachmittag,
um schleppend Fahrt aufzunehmen.

Ich wärme den Glaszylinder der Kaffeekanne vor.
Der Kerala monsooned Malabar wird nur grob gemahlen
und schwimmt in heissem Wasser auf.
Ich rühre um, er tanzt, wirbelt, sinkt.
Der Drahtfilter berührt sanft die Oberfläche.
Der Kaffee kommt langsam zur Ruhe,
bevor ich den Filter durchdrücke.

Brioche, Süßrahmbutter und Erdbeermarmelade.

Lese Gedichte von Nicolas Born.
„Wenn Sonne scheint, reckt sich das Holz
Stimmen schwirren, Gefieder säuselt
Wasser strahlt Luft an, Wolken so weiß
-die Welt schließt sich und zieht
woanders hin“

Ich notiere mir den Augenblick.
Der Hund schnarcht noch immer.
An einem Sonntagnachmittag im Juni.

© 2018, Bruno Schulz

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