"von Bücherhelden"

João Ciudad Duarte

”Wenn wir auf das Erbarmen Gottes schauten, würden wir, soweit es in unserer Macht steht, niemals ablassen, Gutes zu tun.“

Was Namensgebungen bei Seligen und Heiligen angeht, ist man bei der katholischen Kirche manche Schwurbelei gewohnt, es darf immer ein bisschen mehr sein und es kann kaum ein Genug geben: „Johannes von Gott“ ist auch bekannt als „Johann von Gott“, was aus dem spanischen Juan de Dios stammt. Eigentlich hieß er „João Ciudad Duarte“, wurde als Portugiese am 8. März 1495 in Montemor-o-Novo in Portugal geboren und schloß die Augen am 8. März 1550 mit zu dieser Zeit bemerkenswerten fünfundfünfzig Jahren im spanischen Granada. Johannes, Juan, João oder wie wir ihn auch immer nennen mögen war ein Ordensmann. Er wurde Stifter des Ordens der „Barmherzige Brüder vom heiligen Johannes von Gott“. In der katholischen Kirche wird er als Heiliger verehrt. João ist Schutzpatron der Krankenhäuser, der Kranken und Krankenpfleger. Und der Buchhändler und Buchdrucker. Und ebenso der Stadt Granada.

Der Mann kam rum in jungen Jahren. Er hat ein wildes Leben geführt und kämpfte als Landsknecht im Heer Karls V. gegen die Türken, was ihn über Barcelona, Genua, den Gardasee, Innsbruck und Linz bis vor die Tore Wiens führte. Nach dem Dienst an der Waffe, kehrte er zurück nach Spanien und erreichte via Sevilla und Gibraltar sogar die Enklave Ceuta an der nordafrikanischen Küste, um dort an Festung und strategischem Bollwerk mitzubauen. Wieder in Gibraltar, handelte er erstmals dokumentiert mit Büchern und gründete Ende 1538 eine Buchhandlung in der Nähe des berühmten Elvirators in Granada.

Mit über vierzig Lebensjahren lauschte João gebannt den Reden des berühmten Predigers Johannes von Avila und verschenkte daraufhin sein gesamtes Hab und Gut. Heute würde man das vermutlich szenehip durchdrungen als „Decluttering“ bezeichnen, also als „Entrümpeln“, „Ausmisten“ oder „Loswerden“ von vermeintlich unnötigem Ballast nach den wilden Ausschlägen einer ordentlich durchgeschüttelten wie durchschüttelnden Mittel-Lebens-Krise. Nur waren seinerzeit „Vierzig“, was heute „Siebzig“ sind, wenn die nicht schon fast wieder zum neuen „Fünfzig“ mutierten. Man kommt noch völlig durcheinander.

Heute vielleicht nachgeahmt oder mit einem entspannten Kopfschütteln bedacht, führte das „Decluttering“ Mitte des sechzehnten Jahrhunderts noch bestenfalls zur Einweisung als Verrückter in das königliche Hospital, wo unser Held die Not der Kranken und vor allem der Geisteskranken kennenlernen sollte.

Um es ein wenig abzukürzen: nach seiner Entlassung aus der unzureichenden Klinik, gründete João ein eigenes Krankenhaus, das für die künftige Pflege von Geisteskranken ganz wesentliche Grundsteine legen sollte, und eher nebenbei wie unbeabsichtigt aus seinem Pflegepersonal den „Orden der Barmherzigen Brüder“. Dieser Orden, der vornehmlich aus Laienbrüdern besteht, legt bis heute neben den drei Gelübden der evangelischen Räte zusätzlich das der Hospitalität ab, lebt noch immer nach der Augustinusregel und gilt nach wie vor als einer der wichtigsten im Sujet.

João wird als „heiliger Johannes von Gott“ häufig mit einem Granatapfel als ikonographischem Heiligenattribut dargestellt. Schon wieder szenegerecht weit vor der Zeit, verwendete er die Frucht bereits in seinen Hospitälern zur Heilung etlicher Indispositionen. Und en passant rettete er auch noch gefallene Mädchen, bekehrte Zuhälter und Mörder und wusste immer wieder Philanthropen als solche zu identifizieren sowie großzügig zur Ader zu lassen, um seine wohlmeinenden Aktivitäten zu finanzieren.

Papst Leo XIII. erklärte ihn dafür am 27. Mai 1886 zum Patron der Hospitäler und Kranken und Pius XI. fügte am 28. August 1930 die Patronate über die Krankenpfleger und ihre Vereinigungen hinzu. Im Jahr 1940 erhob Pius XII. den hl. Johannes zum Schutzpatron der Stadt Granada. Außerdem wird der „heilige Johann von Gott“ als Patron der Buchhändler, Buchdrucker und Papiermüller verehrt.

Aus meiner bescheidenen Sicht finden und passen die Pflege von Körper und Geist außerordentlich gut zusammen. „Mens sana in corpore sano“ als passende Redewendung ist ein verkürztes Zitat aus den Satiren des römischen Dichters Juvenal.

Das Fest des „heiligen Johann von Gott“ wird am 8. März gefeiert. Ich habe es mir mal in den Kalender eingetragen mit dem festen Vorsatz, an diesem Tag den stationären Buchhändler meiner Wahl mit einem Buchkauf zu unterstützen.

Der 8. März ist im Jahr 2019 ein Freitag. Danach werde ich ein paar Tapas essen.

© Dezember 2018

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