"Herbststrand"

Im Herbst liegt die Ruhe träge am Strand,
für die wir sonst keine Zeit finden wollen.
Alle neuen Tage verlieren an Deformation,
an Disharmonien von Klängen, Farben, Reizen.
Der Himmel, Herz und Lunge greifen Raum.
Weiten sich, finden sich, wenn man sie lässt.
Die Buhnen legen sich wie Lineale ans Ufer
und ihre verwitterten Pfähle werden Rhythmus,
werden Maß in vermeintlicher Endlosigkeit.
Große Kämme, deren Zinken im Sand stehen,
auf denen der Wind ein scharfes Sirren bläst.
Die Luft ist nass, sie schmeckt nach Salz.
Die Sicht bleibt trüb, doch der Blick wird klar,
milchig verschwimmt der Horizont, verschwindet.
Der Anfang wird Ende und das Ende zum Anfang,
alles bleibt anders, wird alt und doch neu.
Und jäh reißt ein blauer Flecken aus dem Grau.

© 2017

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