"Tattoo"

Erst kürzlich ist in einem Thread zu meiner Timeline mal wieder die Diskussion zum Thema Tattoo aufgeflammt. Für und wider wurden heftig verteidigt. Inzwischen fehlt ja an allen Stellen die moderate Mitte. Der Ausgleich. Die neutrale Fläche. Politik, Medizin, Technik, Literatur, Sport oder Körperkunst - völlig Wurscht, fast jeder hat ein klares Bild und verteidigt das umso kleinere Wissen mit desto größeren Zähnen und Klauen. Ein interessantes Stichwort dazu ist der „Dunning-Kruger-Effekt“. Verkürzt geht es dabei um eine kognitive Verzerrung, in der mehr oder weniger inkompetente Leute die Tendenz entwickeln, die eigenen Kenntnisse zu überschätzen und in Ermangelung entsprechender Voraussetzungen die Kompetenz anderer leichter zu unterschätzen. Ein Teufelskreis, nicht nur in Social Media.

… vielleicht noch eine kleine Anekdote in Sachen Tattoo: ein Freund von mir, Gott hab ihn seelig, ging statt der Wehrpflicht nach, seinerzeit lieber gleich zu den Kampfschwimmern. Nach 6 Jahren Bundeswehr beschied er den Verein für zu lasch und wechselte lieber zur Fremdenlegion, bereiste ferne Länder, lernte interessante Menschen kennen und legte sie um. So und so. Legio patria nostra - für die Legion opferte er sein kurzes, aber durchaus reiches Leben auf dem Feld der Ehre.

In einer durchgesoffenen Nacht mit kreolischen Weibern in Kourou im Überseedépartement Französisch Guyana, nach seinem Wachdienst an der Ariane, hatte er den Punkt zum Verlust der Muttersprache bereits passiert, als ein paar Kameraden es für eine gute Idee befanden, ihm einen schwulhellblauen Kolibri auf die breite Brust tätowieren zu lassen, der ihm in die Herzgrube pickte. In seinem Schnabel ein Briefchen mit Herz und kurzer Zeile …

Heute bekam ich den Impuls und das Stichwort durch meinen Facebookfreund Johannes, als wir in einem Thread gemeinsam vor uns hinstänkerten. Das Ergebnis ist im Moment nur eine von vielen, authentischen Erinnerungen, aus der eine Story werden könnte. Und muß, wie ich finde. Ich sammle die inzwischen auf Zetteln. In Gedankenschnipseln wie diesem hier, weil ich leider beginne zu vergessen.

© 2017 Bruno Schulz

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